Presseartikel

Kampagne gegen rechte Zeitungen
Von Martin Kröger

»Junge Freiheit«, »Deutsche Stimme«, »Zuerst!«, »Deutsche Militärzeitung« oder »Preußische Allgemeine Zeitung« – all diese rechten bis extrem rechten Zeitungen und Monatstitel gibt es in Berlin und Brandenburg an vielen Kiosken offen zu kaufen. Auch so mancher Supermarkt führt die zweifelhaften Schriften in seinem Sortiment. Während sich bei extrem rechter Kleidung und bei Neonazi-Aufmärschen regelmäßig Widerstand regt, floriert der Handel mit den rechten Schriften und Postillen relativ unbehelligt. Die linke Kampagne »Let’s Push Things Forward« (Übersetzt: Lass uns die Dinge voranbringen) will den rechten Verlegern und ihren Produkten nun einen Strich durch die Rechnung machen.

»Es kann doch nicht sein, dass in diesen Blättern permanent nationalistische, rassistische, sexistische, homophobe, militaristische und zum Teil sogar neonazistische Inhalte verbreitet werden«, erklärt die Kampagnen-Sprecherin Isabell Münch gegenüber ND. Das Ziel sei es nun, die rechten und revisionistischen Zeitungen aus dem Kioskverkauf zurück in den Abonnement-Vertrieb zu drängen. So soll die Erschließung von neuen Leserschaften erschwert und damit die Position der genannten Zeitungen auf dem Markt generell geschwächt werden. Dafür gelte es vor allem, die Vertriebs- und Verkaufsstrukturen öffentlich aufzudecken. Schließlich wolle man, erläutert Münch, nicht den einzelnen Kioskbesitzer kritisieren, sondern vielmehr ein Klima schaffen, in dem sich der Großhandel überlegt, ob er es sich weiter leisten kann, rechtes bis extrem rechtes Schrifttum zu vertreiben.

Um dem Ansinnen mehr Nachdruck zu verleihen, hat sich die Kampagne um Unterstützer bemüht. »Es ist uns gelungen, 40 Organisationen als Erstunterzeichner in Berlin-Brandenburg zu gewinnen«, freut sich Isabell Münch. Unterschrieben haben ver.di, die VVN/BdA, die Linksjugend, verschiedene Juso-Ortsgruppen sowie Antifa- und autonome Organisationen. Weitere Unterzeichner seien allerdings jederzeit hoch willkommen, sagt Münch.

Als ersten Schritt wollen die Organisatoren in den nächsten Wochen eine Kurzform des Aufrufs der Kampagne gegen rechte Zeitungen in hoher Auflage in der Region verteilen. Dazu sind alle Menschen, die sich gegen Rechts engagieren möchten, aufgefordert, sich zu beteiligen. Sie können zum Beispiel Kiosk-Besitzer darauf aufmerksam zu machen, welche Titel sie in ihrer Auslage haben. Welches die problematischen Publikationen sind, hat die Kampagne beispielhaft auf ihrem Blog im Internet dargelegt. Hier besteht auch die unkomplizierte Möglichkeit, den Aufruf für die Kampagne zu unterschreiben.

pushforward.blogsport.de/

Quelle: Neues Deutschland / 09.07.2010 / Berlin/Brandenburg

Weitere:

Proteste gegen Bauer-VerlagJunge Welt / 07.07.2010 / Antifa

Interview „Let‘s push things forward“Straßen aus Zucker / Mai 2010

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